Internationaler Konzertsänger Aus Brooklyn In Lohr

During his stay in Lohr am Main, Germany, after participating in the Music in the Alps Festival in Austria, Henrietta Hartl of the Main-Echo interviewed Jeffrey and Nina Pearson, a native of Lohr, about their performance in St Michael’s Church, their artistic backgrounds, and the differences between life in Brooklyn and Bavaria. The text below is in the original German. To see the interview in full, click here.

Nina Pearson and Jeffrey Palmer in St Michael’s Church, Lohr am Main

Nina Pearson and Jeffrey Palmer in St Michael’s Church, Lohr am Main

Eigentlich ist der international auftretende Konzertsänger in Europa, um bei Klassik-Festivals in Bad Gastein und Salzburg im August zu singen. Doch in Brooklyn hat er eine Bekannte, die im selben Chor wie er singt: Nina Pearson. Sie stammt aus Lohr, zog vor zehn Jahren mit ihrem amerikanischen Mann nach New York und besucht jedes Jahr im Sommer ihre Eltern in Wombach.

Zu Gast in Wombach

Und da für einen US-Amerikaner Wombach praktisch um die Ecke von Salzburg liegt, kam Palmer nun vor seinen Auftritten in Österreich gerne mit nach Lohr zu Besuch. Pearson ist begeisterte Sängerin schon seit den Zeiten, als sie am Chor des Lohrer Gymnasiums mitgesungen hat. Sie ist auch engagierte Christin und bot Pfarrer Sven Johannsen spontan an, dass Palmer und sie beim Hochamt an Mariä Himmelfahrt das Ave Maria vortragen könnten. Johannsen nahm das dankend an, und erweiterte das Gesangsprogramm noch um einige andere Stücke.

Ihr Vortrag sei wohl recht gut angekommen, freuen sich Laiensägerin Pearson und Gesangsprofi Palmer am nächsten Tag. Sie sind nochmals in die St. Michaelskirche gekommen, für ein Gespräch des amerikanischen Sängers mit unserem Medienhaus. Es findet auf Englisch statt, da Palmer kein Deutsch spricht, und der Countertenor erzählt ausführlich von seiner etwas ungewöhnlichen Karriere.

Der heute 31-Jährige hat in seiner Heimat in Virginia im Südosten der USA schon im Alter von sieben Jahren angefangen, in Chören zu singen. Mit neun Jahren trat er zum ersten Mal öffentlich auf, und das Singen wurde zu seinem Lebensinhalt. Seine Eltern hätten selber nicht Musik gemacht, meint er, aber sie liebten Musik und Schauspiel und hätten ihn immer in seinen künstlerischen Ambitionen unterstützt. Palmer nahm Gesangs-, Tanz- und Schauspielunterricht und studierte später auch Musik an der englischen Bath Spa University.

Angst vorm Stimmbruch

»Wie viele singende Jungen hatte ich total Angst vor dem Stimmbruch, dass ich dann vielleicht nicht mehr singen kann«, erinnert er sich. Doch der harte Stimmbruch sei nie gekommen, seine Stimme wurde einfach langsam tiefer. Von seinen Lehrern lernte er dann die besonderen Techniken, die ein Countertenor braucht, um stabil hoch singen zu können. Inzwischen hatte Palmer schon viele Auftritte in Amerika, Asien und Europa.

Im Unterschied zu den klassischen Stimmlagen sei das Repertoire an Originalkompositionen für Countertenöre etwas begrenzt, meint Palmer. Darin sieht er durchaus auch Vorteile, denn man sei so sehr viel freier, Dinge für sich selber zu gestalten. Manche eigentlich für andere Stimmen geschriebene Musik singe er »einfach so«, für andere bekomme er auch spezielle Arrangements.

Komponisten schreiben für ihn

Er habe Kontakte zu zeitgenössischen Komponisten, die auch extra für ihn schrieben, wie der Bostoner Musikprofessor Andrew List. Auch mit dem Komponisten Huang Ruo aus Peking, den er bei Musikevents in New York traf, arbeitet er inzwischen zusammen. Mit der Pianistin Riko Higuma hat Palmer kürzlich ein Album herausgebracht, »Beauty«, mit Stücken aus mehreren Jahrhunderten und Kontinenten.

Neben der Musik arbeitet Palmer als Public Relations Manager für ein New Yorker Gesundheits- und Sozialzentrum. Auch diese Arbeit erfülle ihn, und er könne beides gut verbinden. Er wirke oft bei Benefizkonzerten mit, dafür seien seine Bosse auch flexibel, wenn er Musiktermine hat, wie zur Zeit die Konzertreise nach Europa.

Auch Folk und Jazz

Was Musikstile außerhalb der klassischen Musik angeht, ist Palmer offen. Er singe auch gerne Folk und Jazz und meint lächelnd, »wenn eine berühmte Rockgruppe mich will, sage ich auch nicht nein.« Wichtig bleibt ihm als gläubigem Christen dabei auch immer die Kirchenmusik - ob im Kirchenchor in seiner Gemeinde in Brooklyn oder als Solist bei der Messe in der Lohrer Stadtpfarrkirche.